Mödlareuth am 18.03.2007 - 43 Jahre danach... Seite 02Zurück | Anfang | Vor |
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Persönliche Erinnerungen eines Grenztruppjägers aus dem Oktober des Jahres 1964: Es sollte der Besuch des Bundespräsidenten vorbereitet werden. Gut Ding braucht Weile. Zuständig waren die Pioniere. Meine Kameraden und ich gehörten denen an, die sichern mussten. Kaum waren wir abgesessen, ertönte von "drüben" einmal mehr die Lautsprechermusik. Diesmal hatte die NVA sogar zwei Lautsprecherwagen auffahren lassen, die sich nun abwechselten, um denen auf der anderen Seite der "Staatsgrenze" zu zeigen, wir sind da und machen Rabatz. Ich war so beschäftigt mit dem Blick zur anderen Seite, dass ich heute nicht mehr sagen kann, welche Arbeiten die Pioniere ausgeführt haben. Erstaunlich war das Repatoire, welches uns diesmal angeboten wurde. Da rockte und twistete es so richtig in Mödlareuth. Amisongs aus deren Lautsprechern, wer hätte das gedacht. Wollten die uns zeigen, dass sie mit der Zeit gehen - im wahrsten Sinne des Wortes... Es fing an zu regnen. Wir hatten neue Schlafsäcke erhalten, die auch als Regenschutz getragen werden konnten, so eine leichte gefütterte Kunststoffware. Also haben wir uns die neuen Schlafsäcke übergezogen. Das sah recht lustig aus, anscheinend auch für die Angehörigen der NVA, denn sie schauten rüber und fingen an, unsere neue neue Kleidung zu diskutieren, vielleicht auch zu verspotten. Jedenfalls sahen sie uns auf einer Entfernung von fünf Metern direkt ins Gesicht und grinsten dazu. Ich meine noch heute, das war keinesfalls bösartig. Es ging mehr in die Richtung, na, was habt ihr denn da für Klamotten angezogen? Das sieht doch gar nicht mehr soldatisch aus... Inzwischen hatten sich einige Dorfbewohner versammelt, um ebenfalls hinüber zu sehen. Man stand zusammen und unterhielt sich. Endlich etwas Abwechslung im langweiligen Einerlei des Lebens an der Zonengrenze. Und dann kam sie. Auch sie trug Gummistiefel. Sie mag vielleicht 17, 18 gewesen sein. Sie schaute zu den jungen Grenzschutzbeamten, lachte schüchtern und wendete sich wieder ab. Sie hatte genau die Zeitspanne eingehalten, die den anderen und insbesondere den NVA-Angehörigen nicht aufgefallen war. Würde sie noch einmal rüberschauen. Nein - sie tat es nicht. Schade, aber auch gut so, denn sie konnte das Risiko besser abschätzen als die "Westler". Dann waren die Pioniere fertig. Sie hatten die Grenze genauestens markiert, damit keiner der offiziellen Gäste, die da kommen sollten, das Gebiet der sowjetisch besetzten Zone betreten würde. Provokationen und Komplikationen mussten unter allen Umständen vermieden werden. Den Blick der jungen Frau aus Thüringen habe ich noch heute vor Augen. Als die Beatles später, 1967, mit ihrem Album "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" auf den Markt kamen, erinnerte mich der Song "Lovely Rita ... nothing can come between us..." an Mödlareuth. Vielleicht hieß sie auch Rita, die sich damals "a glimse" erlaubte, denn im Song heißt es auch, when I caught a glimpse of Rita... Aber da hatte sich im Gegensatz zum Text der Beatles etwas zwischen die jungen Menschen gedrängt. Keiner wollte es haben, außer den ewig alten Männern einer verkorksten Politik, die Demarkationslinie... Später wurde die Mauer hochgezogen und für einen Glimpse war keine Möglichkeit mehr gegeben. Sie haben einfach alles versucht und doch hat es nicht funktioniert. Gut, dass es nun wieder zu mehr als nur einem Glimpse kommen kann. Deutschland ist wieder ein Land.
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