Mödlareuth am 18.03.2007 - 43 Jahre danach... Seite 03Zurück | Anfang | Vor |
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Der Bundespräsident in Mödlareuth Es sollte eine Geste gezeigt werden gegenüber den "Schwestern und Brüdern" im Osten. Der damalige Bundespräsident Lübke machte sich auf den Weg, um vom Norden bis zum Süden markante Punkte der Zonengrenze bzw. Demarkationslinie zu besuchen. Im Internet habe
ich über den Besuch in Mödlareuth gefunden: Es ist anzunehmen, dass sich Lübke nach seinem Besuch in Hof nach Mödlareuth begeben hat. Ich kann mich jedenfalls erinnern, dass wir - die Beamten des BGS - bereits seit den Vormittagsstunden vor Ort waren, um den Besuch vorzubereiten. Im Laufe des Nachmittags kam der Bundespräsident. Die Wagenkolonne fuhr bis zum Weiher des Dorfes. Ich stand vor dem Haus mit Holzerker. Der Bundespräsident stieg aus und verlangte - er sah wirklich geschafft aus - nach einem Glas Wasser, welches ihm von den Bewohnern dieses Hauses gereicht wurde. Das Grenzschutzkommando hatte sich alle erdenkliche Mühe gegeben. In einem grünen Armeezelt war das Modell der Grenze bei Mödlareuth aufgebaut. Die Körpersprache des Bundespräsidenten deutete an, er wollte eigentlich gar nicht in das Zelt gehen. Er wollte zum Stacheldraht und nach "drüben" schauen, möglicherweise sogar winken. Es blieb ihm jedoch nichts anderes übrig, er musste die Vorstellung der Prominenten anhören, die Ehrenbezeugungen und die Erklärungen der angetretenen Offiziere entgegen nehmen. Dann ging es doch noch die paar Schritte vor, ganz nah an den Stacheldrahtzaun, jedoch ohne SBZ-Gebiet (SBZ = sowjetisch besetzte Zone) zu betreten. Auf der anderen Seite waren die Angehörigen der NVA nicht untätig gewesen. Sie hatten Lautsprecherwagen aufgefahren, die in voller Lautstärke und deshalb mit verzerrter Akustik die Lieder der "DDR" abspielten. Ferner war die Sicht durch Blenden verstellt. Heinrich Lübke verharrte ein paar Minuten. Er wirkte fast hilflos. Was sollte er tun. Drüben war keine Menschenseele zu sehen. Er konnte niemanden zuwinken. Es war ein NVA-Angehöriger mit Fernglas bei genauem Hinsehen zu entdecken. Das war's. Er, der ranghöchste "westdeutsche" Politiker, war die wenig glückliche Hauptperson in einer Veranstaltung, die andere geplant hatten. Er ging zurück und traf auf "Dorfbewohner". Noch ein paar Worte mit ihnen, die das Schicksal zu Bewohnern eines getrennten Dorfes gemacht hatte... Nach ca. 15 Minuten war alles vorüber. Die Wagenkolonne enteilte. Noch ein paar Minuten Lautsprechermusik von drüben und hüben wurde der Abbau des Zeltes in Angriff genommen Das alles erlebte ein junger Grenztruppjäger vor fast 43 Jahren. Leider - die Zeit hat einiges an Erinnerung zugeschüttet. Vielleicht ist es aber auch gut so?
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