Mödlareuth am 18.03.2007 - 43 Jahre danach... Seite 13

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Hallo,

zufällig bin ich beim "Googeln" auf die Site von bgs1963.de gestoßen und habe mich auf dem Bild "Mauerbau" _bgs63_Mödlareuth_13 wiedererkannt. Ich war von Ende 1965 bis Oktober 1966 in der 2. Grenzkompanie stationiert und habe den Mauerbau teilweise als Wachposten (in der Mitte mit der Schirmmütze) miterleben müssen. Was einem 22-jährigen da für Gedanken durch den Kopf gingen, ist schon erschreckend: einen Meter von der eigentlichen Grenze nur durch eine gespannte Schnur von Bayern getrennt zu sein - einen Schritt und ich wäre im Westen. Aber zu hause war Frau und 2-jährige Tochter sowie alle Verwandten. Doch die Gedanken schossen einem schon durch den Kopf, auch bei mir hatte wie bei beim Bernd der Politunterricht kein Feindbild erzeugt, wie es beabsichtigt war. Auch ich war wie Bernd in Johanngeorgenstadt zur Grundausbildung und da in dieser Zeit Unteroffiziere gesucht wurden, habe ich als Wehrpflichtiger mit 18 Monaten die U-Schule absolviert.

Auf dem B-Turm aus Holz im Bild _mödlareuth_album_33 musste ich mit meinem Posten am 24.12.1965 abends Wache schieben. Als dann in der Dämmerung die Weihnachtsbäume in Mödlareuth -West leuchteten, war einem schon mulmig zumute. Das sind Erinnerungen, die man nicht vergisst.

Von Euch BGS-Beamten von der anderen Seite habe ich keine schlechten Erinnerungen, der kurze Blickkontakt war für mich der einzige Gruß, den ich mit Euch wechseln konnte, denn uns war Grüßen einer Kontaktaufnahme gleichgestellt und damit verboten. Man konnte ja auch dem mitlaufenden Posten, der täglich gewechselt wurde, nicht trauen. Mit einiger Wehmut habe ich Euch damals mit dem VW-Bus die Straße von Töpen nach Mödlareuth herunterkommen sehen.

Als ich nach der Wende erstmalig diese Straße von Töpen kommend nach Mödlareuth-West reingefahren bin, war es für mich doch ganz schön ergreifend und ich konnte die Tränen in den Augen nicht unterdrücken. Damals hätte ich niemals gedacht, jemals diese Straße befahren zu können, doch die Vereinigung hat es möglich gemacht! So hat jeder seine eigenen Erinnerungen an diese Zeit, die für mich nicht die schlechtesten waren.

Herzliche Grüße
Friedhelm - 12.08.2007


Hallo Friedhelm,

vielen herzlichen Dank für Deine E-Mail. Das Internet und die Wiedervereinigung machen es glücklicherweise möglich, dass wir uns, die damals unterschiedliche Uniformen trugen, heute kennen lernen und schreiben können. Wahrscheinlich war es vielen auf der sog. westdeutschen Seite nicht bewusst, was in den jungen NVA-Angehörigen wirklich vorgegangen ist. Leider wird auch heute noch immer zu wenig differenziert und die Angehörigen einer Nation, einer Religion oder Organisation mit einem allgemeinen Urteil belegt, welches dann in der Regel auch noch negativ ist. Ich habe mich jedenfalls ehrlich gefreut als ich Deine E-Mail gelesen habe und gleich meiner Familie davon berichtet.

Vor einigen Tagen hat mich ein ehemaliger Grenzschutzkamerad aus dem westlichen Abschnitt bei Fulda angeschrieben. Ich habe ihm vorgeschlagen, doch einmal darüber nachzudenken, ob wir nicht ein Treffen ins Auge fassen sollten mit ehemaligen Kameraden von "drüben". Derzeit arbeiten wir daran, aber bei Unruheständler geht das etwas langsamer, weil mit Augenmaß.

Leider konnte ich aus Deiner E-Mail nicht ersehen, wo Du zur Zeit wohnst. Es wäre prima etwas mehr von Dir zu erfahren. Über meinen Lebensweg habe ich so eine Art kleines Internetportal für Freunde und Bekannte entworfen. Vielleicht hast Du es schon entdeckt:

http://www.phhp.de

Dort findest Du u.a. meinen jetzigen Wohnort "Lehningen" bei Pforzheim im Norden des Schwarzwaldes. Möglicherweise besitzt Du auch - ähnlich wie der Bernd - ein paar Bilder aus Deiner Zeit bei der NVA, die den Informationsgehalt der Seite "BGS1963" erhöhen könnten. Dann noch die Frage an Dich, ob es Dich stört, wenn ich unseren Schriftwechsel auf der Seite 13 des Albums - mit Deinem Konterfei - veröffentliche. Das wäre eine prima Ergänzung um offiziellen Bild des Museums in Mödlareuth. Ich finde jedenfalls, dass es wichtig ist, der Öffentlichkeit im Nachhinein darzustellen, wie es "wirklich" war. Es wird mir, wie gerade heute wieder, zum Jahrestag des Mauerbaus, zu häufig verallgemeinert. Dem sollten die, welche dabei waren, aus erster Hand und eigenem Erleben etwas dagegen setzen.

Nochmals, vielen Dank für Deine E-Mail und alles Gute.

Mit freundlichem Gruß
Peter - 13.08.2007


Hallo Peter,

danke für Deine Mail, die ich mit großer Freude gelesen habe. Ist es nicht sonderbar? Ich habe das Gefühl, ein Kreis schließt sich. Vor über 40 haben wir uns vielleicht in Mödlareuth gesehen ohne uns kennen zu lernen und nun nun treffen wir uns eventuell dort nach so langer Zeit. Ich würde mich sehr über ein Treffen vor Ort freuen.

In der Anlage schicke ich Dir 2 Bilder mit. Bilder von Grenzanlagen waren für uns strengstens verboten und so haben wir nicht solch eine große Auswahl.

Bild 1 zeigt unseren Zug, der zur Verstärkung Ende 1965 nach Juchhöh kommandiert wurde. Ich war vorher in Papstleithen am Länderdreieck zur Tschechei. Unser Zug wurde zur Verstärkung gebildet, da immer mehr "Grenzdurchbrüche" an diesem Abschnitt auftraten. Die Leute, die die DDR verlassen wollten, orientierten sich an der damaligen "I2" , die über Juchhöh nach Hof führte. Ich stehe da ganz rechts.

Das 2. Bild zeigt mich mit meinem Zugführer bei der "Grenzaufklärung", sicher ähnlich wie bei Euch damals. Der mit dem Finger zeigt, bin ich. Ich hoffe, dass Dir mit meiner Antwort ein wenig weiterhelfen konnte.

Herzliche Grüße
Friedhelm
- 13.08.2007


Hallo Friedhelm,

vielen Dank für Deine ausführliche E-Mail und die zugesandten Bilder. Schade, dass Du erst jetzt über die Suchmaschine auf die Seite BGS1963 gelangt bist, ansonsten hätten wir uns bei Deinem Besuch im Schwarzwald treffen können. Aber das können wir ja nachholen. Ja, Du hast natürlich recht, so richtig habe ich meinen Lebensweg auf meiner Homepage nicht beschrieben. Deshalb in Kürze ein paar Daten.

Geboren und aufgewachsen bin ich in Wuppertal - http://www.tescher-schule.de -. Dann ging es Richtung Nürnberg und von dort nach Stuttgart. In Stuttgart wurde ich dann zum Wehrdienst verpflichtet. Statt der Bundeswehr habe ich den BGS gewählt, weil wenn schon, dann wollte ich zur Polizei. Heute heißt der BGS auch folgerichtig Bundespolizei. Nach 18 Monaten bin ich zurück in die sog. freie Wirtschaft. Dort habe ich immer im Verkauf gearbeitet und war in letzter Position als Schulungsleiter - Ausbildung der Verkäufer und Händler weltweit - tätig. Deshalb habe ich mich auch gefreut auf Deiner Seite die Marke Bosch zu entdecken. Da ich jedoch im Elektrowerkzeugbereich tätig war, haben wir uns nicht getroffen. Das hätte, wenn Du EW geführt hättest, sicherlich möglich sein können, denn ich war insbesondere nach der Wende sehr häufig in den sog. Neuen Bundesländern.

Im letzten Jahr bin ich dann in den Unruhestand getreten. Um nicht ganz einzurosten, habe ich einige ehrenamtliche Tätigkeiten übernommen. Wie Du schreibst, wirst Du ja noch einige Zeit weitermachen. Auf Deiner Internetseite konnte ich erkennen, dass die Kunden sehr zufrieden mit Deinem Kundendienst sind. Gibt es eine bessere Motivation als Kundenlob? Also - weitermachen!

Deine Homepage hat ja mit Flash ein tolles Intro. An Flash habe ich mich einmal versucht, es ist jedoch ziemlich zeitaufwändig und da habe ich es dann wieder geschmissen. Mein Sohn hat auf jeden Fall das ein oder andere Bild zu meinen Infos beigesteuert, aber schreiben muss dann schon der "Alte".

Wir planen gerade - meine Frau und ich - in den nächsten Monaten - wahrscheinlich Oktober - einen Besuch in Meiningen zu machen. Damit wollten wir eine kleine Rundreise verbinden. Sobald die Planung steht, werde ich mich bei Dir melden. Die Lausitz hat ja doch einiges zu bieten.

Unseren Schriftwechsel habe ich auf die Seite 13 gelegt zu dem Bild, welches Ausgangspunkt unseres Schriftwechsels war. Ich hoffe, das ist so ok...

Ich werde, wie geschrieben, mich auf jeden Fall bei Dir melden und Dir mitteilen, wann wir unseren Besuch planen.

Viele Grüße
Peter - 14.08.2007