Historisches aus der Zeit 1964

Im groben Zeitraffer werden historische Zeitungsartikel wiedergegeben.

 

15.02.1964 - Vorab eine Zeitungsnotiz, die aufzeigt, wie noch 1964 der Bevölkerung die Existenzberechtigung des BGS näher gebracht wurde...

 

 


28. März 1964 - Anzeige in der Pforzheimer Zeitung

Eine der Anzeigen in den 60er Jahren, mit denen Wehrpflichtige für den Bundesgrenzschutz geworben wurden. Doch es wurde längst nicht jeder, der sich für den BGS entschieden hatte, eingestellt. Nach der Bewerbung erfolgte eine Einladung zu einer Prüfung. Ein Bewerber von damals berichtete:

Wir mussten an einem Sonntag im Februar bis um 17.00 h in Oerlenbach bei Bad Kissingen in der dortigen Kaserne sein. Unsere Gruppe bestand aus ca. 30 Bewerbern. Die meisten waren gekommen, um die Wehrpflicht beim BGS abzuleisten. Noch am Abend begann der Stabsarzt mit der "Feststellung" der Gesundheit. Zunächst wurden die Sinne geprüft. Drei der Bewerber konnten gleich nach dieser Untersuchung wieder den Heimweg antreten. Farbenblindheit war ein Untauglichkeitsmerkmal beim BGS. Wer gut sehen und hören konnte blieb im Rennen. Es schlossen sich Übungen an wie Liegestütze und Kniebeugen, um anschließend in den Bewerbe hinein horchen zu können.

Am Folgetag war vormittags Sport angesagt. Es wurde die Mittelstrecke gelaufen auf einer vereisten Laufbahn, was gar nicht so einfach war und zusätzliche Kondition kostete. Es schloss sich Keulenwerfen an. Der Weitsprung fiel aus. Zu vereist war die Anlaufbahn und der Sand in der Sprunggrube gefroren. Es ging in die Halle und der Weitsprung wurde durch einen Bocksprung ersetzt. Mit Schmackes lief der Bewerber auf das Turngerät zu, um es mit Sprung und Grätsche zu meistern. Über Matten waren Purzelbäume gefordert und wer in der Lage war, der durfte zeigen, dass er einen Salto konnte. Während der sportlichen Prüfung war fleißiges Listenführen angesagt. Für jeden Bewerber gab es eine Liste mit den ermittelten Werten und Beobachtungen. Nach den sportlichen Übungen war die Gruppe weiter geschrumpft. Es hat sich meiner Kenntnis entzogen, warum einige die eigentlich einfachen Aufgaben im physischen Bereich nicht zur Zufriedenheit erledigen konnten.

Nach dem Mittagessen war die schriftliche Prüfung auf dem Plan. Zunächst wurde ein Diktat zum Thema Alkoholkonsum geschrieben. Ich erinnere mich daran, dass das schwierigste Wort "absorbieren" im angesagten Text war. Wir fragten nach und der "Diktator" erläuterte den Begriff ohne ihn zu buchstabieren.

Dann kamen Fragen zur Allgemeinbildung. Da mussten Namen von Politikern im Ministerrang genannt werden. Für einige war das gar nicht so einfach. Denn wer interessierte sich als 19-jähriger schon für die Politik?

Eine Liste mit 10 deutschen Städten über 100.000 Einwohner sollte erstellt werden. Ich entschied mich für die Hauptstädte der Bundesländer und begann mit Bremen, Hamburg, Kiel, Hannover etc. Heute würde ich die Tabelle der Bundesliga wählen.

Bei den Rechenaufgaben wurde der gute alte Dreisatz bemüht. Die Frage lautete: "Ein Zug legt eine Strecke zwischen zwei Telegrafenmasten von 50 m in 3 Sekunden zurück. Wie viele Kilometer schafft der Zug bei dieser Geschwindigkeit in der Stunde?" 50m/3s X 3600s = Ergebnis/1000 = 60 km/h... 

Wieder waren einige ausgeschieden, denn wer Naila und Rehau bei den Großstätten hingeschrieben hatte und dem Zug immerhin 180 km/h zutraute, war für den BGS wohl weniger geeignet. So wurde jedenfalls von einem der Prüfer erzählt.   

Am Abend schloss sich eine Befragung durch ein Gremium aus Beamten an. Klar kam die Frage, warum man denn zum BGS wollte. Die Herren waren jedoch sehr freundlich, notierten eifrig mit und nickten spontan, wenn die politische Einstellung verriet, dass der Bewerber für ein wiedervereinigtes Deutschland stand.

Am dritten Tag ging es in eine Klinik zur Durchleuchtung. Diese Formsache schien für alle Bewerber problemlos verlaufen zu sein. Wir hatten keine weiteren Abgänge zu verzeichnen. Bereits drei Wochen später erhielt ich meine Aufforderung, den Dienst ab 01.07.1963 in Hof an der Saale anzutreten. Ich freute mich auf den BGS ohne zu wissen, dass es eine Grundausbildung gab, in der es dann ordentlich rund ging...

 

 

17.12.1964 - Es gehörte zu den ganz normalen Meldungen, wenn Fluchtversuche vom Osten in den Westen unternommen wurden. Auf der einen Seite der "hilflose" Bundesgrenzschutzbeamte, dem es nicht möglich war, bei diesen Vorfällen einzugreifen und auf der anderen Seite ein großes Gefängnis, dem viele gerne entkommen wären...

 

 

23.10.1964 - Auch der oberste Dienstherr des BGS hatte für einen gültigen Ausweis zu sorgen. Inzwischen hat sich vieles in Europa getan. Heute könnte Herr Höcherl ohne Ausweis und Kontrolle nach Holland reisen...

 

 

17.10.1964 Ein Beteiligter an dieser Übung erzählte, dass die Beamten des BGS erst kurz vor der Übung, sie waren bereits aufgesessen, über die Übung informiert wurden. Allen überkam so etwas wie das Gefühl, vor einem Abenteuer zu stehen. Und es wurde auch ein Abenteuer. Alleine die Schlafgelegenheiten in Gemeinde- und Turnhallen, die Versorgung durch die Feldküche, die Gefangennahme von Störern, die Bewachung eines Elektrizitätswerkes und die Fahrten im SW 1 (Sonderwagen 1 -> hier ) werden unauslöschlich in der Erinnerung bleiben.

Anschließend berichteten die Zeitungen in größerer Aufmachung über die Übung:

29.10.1964 - Bundesgrenzschutz führte den entscheidenden Schlag -> hier

 

 

12.10.1964 - Der BGS pflegte sein sportliches Image. Aber nicht nur die im BGS "tätigen" Spitzensportler wurden mit Sport konfrontiert, sondern auch die Basis musste die sportlichen Ambitionen erfüllen. Das deutsche Sportabzeichen und das Rettungszeichen der DLRG gehörten zur Pflichtübung. Zur Belohnung durften bei Erreichen der geforderten Leistungen die Abzeichen an die Uniform geheftet werden. Kein Grenzschutzbeamter in meiner Hundertschaft ohne Sportabzeichen, das hörten damals die Grenzjäger den Hauptmann sagen...

 

 

08.10.1964 - Der BGS war schon damals an den Staatsgrenzen tätig. Heute hat diese Aufgaben die aus dem BGS hervorgegangene Bundespolizei übernommen.

 

 

30.09.1964 - Eine Anerkennung der DDR durch die BRD stand in weiter Ferne. Nach wie vor wurden der Begriff der Zone gebraucht. Die Zone hatte mit dem Beginn des Baus der Berliner Mauer endgültig ihr Verständnis von Freiheit offenbart. Dabei wurde in Kauf genommen, dass es zu Toten an der deutsch-deutschen Grenze kam.

 

 

24.09.1964 - Die Aufrüstung des westdeutschen Staates ging weiter, denn der kalte Krieg zwischen Ost und West war Gegenwart. Hinzu kam, dass der Vietnam-Konflikt die politische Situation verschärfte.

 

 

22.09.1964 - Auch die Stabsärzte wollten ihren Teil vom großen Kuchen haben...

 

 

11.09.1964 - Die Finanz- und Wirtschaftskraft des Nachkriegsdeutschlands forderte die "Siegermächte" heraus. Es kam zu Verwerfungen wie einer Devisenhilfe für das einst so mächtige United Kingdom. 

 

 

11.09.1964 - Groß wurde über die Brücke zwischen Ost und West berichtet. Mehr dazu auf dieser Seite ->  1   2

Als wir das erste Mal nach einer ausgiebigen Schulung über alles das, was einem Grenzschutzbeamten gestattet aber auch verboten war, an die Zonengrenze bzw. Demarkationslinie geführt wurden, war der erste Punkt die zerstörte Saalebrücke. Für die Rekruten der Jahrgänge 1942 - 1944 war es völlig normal, ein zerstörtes Bauwerk zu sehen. Kriegszerstörte Bauwerke gehörten im jungen Nachkriegsdeutschland einfach dazu, ganz so, wie die Bäume in einem Wald. Ein Kamerad aus Hof an der Saale wusste dann auch gleich zu erzählen, dass unmittelbar nach dem Kriege ein Motorradfahrer nichts von der zerstörten Brücke gewusst hätte. Bei seiner geplanten Fahrt hinüber nach Thüringen sei er dann von der Lücke überrascht worden und tödlich verunglückt... Unser Unterführer meinte dazu, vielleicht wird die Brücke eines Tages wieder aufgebaut, so dass es zu solchen Unfällen nicht mehr kommen kann. Dass dieser Aufbau schon bald der Fall sein sollte, ahnte zum Zeitpunkt der ersten Grenzstreife noch keiner.  

 

 

02.09.1964 - Der Aufbau wird in Angriff genommen...

Grenzschutz und Bayrische Grenzpolizei -> hier waren am "Bretterzaun" präsent. Hin und wieder gelang es einem der Vorgesetzten sich mit einem Angehörigen des "sowjetzonalen Arbeitstrupps" zu unterhalten. An manchen Stellen gab es kleine Lücken, dort wo die Bretter aneinander stießen. Heute kommt der Gedanke auf, dass diese "freundlichen" Gesprächspartner möglicherweise für die Sicherheit des Staates zuständig waren. Der Aufbau der Brücke verlief jedenfalls ohne Zwischenfälle. Zu gut war alles im Vorfeld besprochen und organisiert worden? 

 

 

28.08.1964 - Es war die Zeit als das Wort "Arbeitslosigkeit" so gut wie keine Rolle spielte. Ganz im Gegenteil! Immer wieder neue Ideen kamen auf, um Bedienstete für den Staat und seine Organe zu finden. Interessant lesen sich auf die anschließenden Kurznachrichten. Einem Ehepaar gelang die Flucht. Hilfreich waren diese Nachrichten keinesfalls, denn spornten Sie doch die andere Seite an, noch mehr an "Grenzbefestigungen" zu bauen, um die Flucht unmöglich zu machen.

 

 

12.08.1964 - Immer wieder musste der Grenzschutz sorglose Mitbürger vor "Fehltritten" warnen. Trotz Hinweisschilder meinten einige Vorwitzige, dass sie das alles nicht beträfe...

 

 

23.07.1964 - Noch stand die Erhöhung der Kopfzahl auch beim Bundesgrenzschutz an. Das Ende des kalten Krieges und des Vietnamkonfliktes war nicht abzusehen.

 

 

14.07.1964 - Die endlose Geschichte des deutschen Gesundheitswesens und seine Queruleien. Auch der Bundesgrenzschutz blieb davon nicht unbehelligt.

 

 

08.07.1964 - ...und der Bundesgrenzschutz mitten drin. Ein Beispiel dafür, dass der BGS nicht nur an der Grenze tätig war.

 

 

08.05.1964 - Eine Menge musste getan werden, um die Bevölkerung vor der gefährlichen Zonengrenze zu schützen...

 

 

26.03.1964 - Die innerdeutsche Grenze als Thema der großen Politik und der fortschreitenden Technisierung seitens der Sowjetzone. Unglaubliche Summen wurden in die "Sicherung" der Grenze gepumpt, womit der Ausblutung durch Flucht entgegen gewirkt werden sollte.

 

 

13.03.1964 - Zu frisch waren die Erinnerungen an das Ermächtigungsgesetz als dass es möglich gewesen wäre, Notstandsgesetze ohne Widerstände durchzusetzen. Kombattanten-Status für den BGS war im Klartext nichts anderes als den BGS mit zur kämpfenden Truppe einbeziehen zu können - im Falle eines Falles.
 


08.02.1964 - Man war stolz beim BGS auf Walter Demel. Er hatte beim BGS alle Freiheiten für sein Training. Mit Bleiwesten lief er den die Hänge im Fichtelgebirge rauf und runter, um sich die erforderliche Kondition für den Wettkampf zu holen. Aber auch wir hatten einen Sportler auf unserer Stube. -> hier 

 

 

05.02.1964 - Darauf war der BGS stolz. Der BGS stellte die Ehrenformation und die Wache für den Bundeskanzler und seinem Amtssitz in der "provisorischen" Hauptstadt Bonn.

 

 

15.01.1964 - Die Kurznachrichten eines ganz normalen Tages im neuen Jahr 1964. Auch der BGS und seine Kopfzahl fanden ihre Erwähnung... 

 

letzte Bearbeitung am 11.01.2011