Ich hatte nicht erwartet, dass diese Seite auch für die ehemaligen Kameraden, die einst "gegenüberstanden", interessant sei. Umso mehr habe ich mich gefreut, als mich die E-Mail von Bernd erreichte. Der folgende Schriftwechsel gibt einen Einblick in die Gedanken, die Geschehnisse und die Sicht aus verschiedenen Perspektiven.


01.05.2007

Liebe Grenzschützer von der Westseite, 

auch ich war vor 43 Jahren als Grenzsoldat in Mödlareuth  stationiert und zwar von1964-65 als Wehrpflichtiger nach 6 Monaten Ausbildung in Johanngeorgenstadt.

Ich konnte mir diesen Dienst nicht aussuchen, aber im Nachhinein muss ich feststellen, dass dadurch mein politischer Horizont wesentlich erweitert wurde. Unverständlich  ist mir bis heute, dass der Einsatz trotz meiner beiden Westtanten erfolgte. Den Besuch von Lübke habe ich auch mitgemacht. Da lagen wir mit voller Ausrüstung im Dreck. Es war fast so, als würde der Weltkrieg ausbrechen.

Den Bau des Sichtschutzes (Vorläufer der Mauer) habe ich unmittelbar miterlebt. Ich stand direkt an der Grenzmarkierung, 3 Meter vor mir der BGS etwa im gleichen Alter, hinter mir die arbeitenden Pioniere aus Plauen. Es war keine schöne Situation.

Ein Feindbild hatte sich trotz des Politunterrichtes nicht herausgebildet. Nur die Einwohner und Zuschauer waren sichtlich erregt. Sie beschimpften uns als Mauerwächter. Ich hatte eben Pech, dass ich 1942 in Thüringen geboren wurde und die Amerikaner im Juli 1945 dort wieder abzogen. Aber dann wäre ich vielleicht Wehrdienstverweigerer geworden und hätte mein heißgeliebtes sozialistisches Vaterlandland nicht schützen können. 

Ich habe die Zeit ohne Vorkommnisse überstanden. Ein Glück!!!

Mit besten Grüßen verbleibt
Bernd


01.05.2007

Hallo Bernd,

ich hoffe, ich darf Dich einfach so nennen... über Deine E-Mail habe ich mich riesig gefreut. Denn, dass mir einer schreibt, der mich gesehen hat und den ich wohlmöglich - wenn auch unwissentlich - gesehen habe. Es ist nur sehr sehr schade, dass es so lange gedauert hat, bis die Wiedervereinigung möglich war. Aufgrund meiner Tätigkeit bei der Robert Bosch GmbH habe ich einige ehemalige - sorry wir haben das so genannt - Angehörige der NVA kennen gelernt aber niemanden, der mir sozusagen gegenüber gestanden ist. Also, Bernd, das ist schon toll, dass Du mir geschrieben hast.

Beim Lesen Deiner Zeilen ist mir eine Idee gekommen. Ich würde gerne, um den Bericht zu vervollständigen, auf der Internetseite Deine Erlebnisse zum Lübke-Besuch veröffentlichen. Vielleicht hast Du sogar Bilder aus Deiner Zeit bei der NVA.  

Es wäre auch prima zu erfahren, ob Ihr, Du und Deine alten Kameraden, noch Treffen veranstaltet. Ein Treffen in Hof oder Plauen zwischen den Ehemaligen von Ost und West wäre aus meiner Sicht eine großartige Sache. 

Ich freue mich auf Deine Antwort und nochmals vielen Dank für Deine Zeilen...

Viele Grüße
Peter


02.05.2007

Hallo Peter,

vielen Dank für Deine netten Zeilen. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass Du so schnell geantwortet hast, deshalb übersende ich Dir auch einige Bilder.

Eigentlich war es ungewöhnlich, Sperranlagen von Ost nach West zu fotografieren, aber meinem Posten konnte ich in diesem Fall vertrauen. Offizielle Bilder wurden nur von s.g. Grenzaufklärern (Stasi-Leuten) gemacht. Deshalb habe ich auch 25 Jahre solche Bilder nur einen kleinen Personenkreis gezeigt. Darüber könnt Ihr bestimmt nur lächeln. Ein Bild wurde vom Hochstand gemacht, er war aus Holz und wurde später durch einen Betonturm ersetzt. Von dort konnten  wir das Leben im westlichen Teil beobachten.

In Mödlareuth selbst liefen wir direkt am Stacheldrahtzaun entlang. Oft standen dort Schulklassen, die ganz irritiert waren, wenn wir sie freundlich ansahen und ihnen zunickten. Damit hatte der Lehrer natürlich in seiner Vorbereitungsphase auf diesen Besuch nicht gerechnet.

Nun zum Lübke-Besuch. Was sich in den Regimentsstäben abspielte, vermag ich nicht zu sagen. Die haben bestimmt verrückt gespielt. Schließlich galt Lübke als Klassenfeind Nr.1, er war in den DDR-Massenmedien als KZ-Baumeister bezeichnet worden. Mir persönlich war er nicht sympathisch, aber ich hatte meine Informationen mehr aus dem Westfernsehen, das ich zu Hause regelmäßig sah. Die Masse der einfachen Soldaten hatte das alles wenig interessiert. Die betrachteten den Rummel um den Besuch als übertrieben. Wir waren alle in Alarmbereitschaft, lagen mit Kampfanzug und Kalaschnikow auf den Betten, am nächsten Tag stundenlang getarnt in festgelegten Geländeabschnitten. Aber so etwas kam des Öfteren vor, wenn russische Soldaten bewaffnet nach ihrer Flucht sich auf die Grenze zu bewegten. Da wurde einen schon mulmig. 

Lieber Peter, nun zu Deiner Frage Kameradschaftstreffen. Eine echte Kameradschaft im herkömmlichen Sinne gab es bei uns nicht. Zu stark war die Differenzierung zwischen Wehrpflichtigen, Längerdienenden, Berufsunteroffizieren, Offizieren und s.g. Politstellvertretern, die für die politische Schulung verantwortlich waren, zu unterschiedlich die Motivation, in dieser Armee zu dienen. Misstrauen war immer angebracht, aber das war systembedingt. Leider haben das bei uns viele schon wieder vergessen.

Abschließend möchte ich Dich bitten, die vom mir als Anhang beigefügten Fotos nur zu Deiner persönlichen Information zu verwenden und nicht im Internet zu veröffentlichen. Ich hoffe auf Dein Verständnis. Wenn Du noch weitere Fragen hast, bin ich gern bereit, Dir diese – sofern es mir möglich ist -  zu beantworten. 

Ich wünsche Dir alles Gute und verbleibe mit freundlichen Grüßen
Bernd


07.05.2007

Hallo Bernd, 

vielen Dank für Deine informative Antwort, die sicherlich auch viele andere interessant finden. U.a. schreibst Du, dass "...russische Soldaten nach ihrer Flucht sich auf die Grenze zu bewegten." Kam es vor, dass Russen geflohen sind. Ich kann mich nur an einen Fall erinnern, der mir erzählt wurde. Was ich jedoch mitbekommen habe, waren einige NVA-Angehörige, die in den Westen kamen. Jedenfalls wurden alle von "drüben", wie Du Dir vorstellen kannst, sehr sorgfältig befragt. Das kam jedoch alles sehr selten vor. Insgesamt war aus meiner Sicht das Leben an der Grenze eher ruhig und ohne Ereignisse. 

Die drei herausragenden Erinnerungen aus meiner Dienstzeit und die damit verbundenen Einsätze waren im November 1963 der Mord an den damaligen amerikanischen Präsidenten Kennedy, der Beginn des Wiederaufbaus der Autobahnbrücke (Brücke der deutschen Einheit) bei Rudolphstein und der Besuch von Lübke in Mödlareuth. 

Der Kennedy-Mord brachte die gesamte Hundertschaft in Alarmstufe 1, denn die westliche Welt schien ohne Führung. Wie würde der Osten reagieren? Jedenfalls waren wir ganz schön im Stress. Kennedy war in der deutschen Bevölkerung ein beliebter Präsident, wenn nicht der beliebteste aller Zeiten. So ging uns der Mord ganz schön an die Nieren. Schließlich war er erst in Westdeutschland gewesen und hatte in Berlin seine berühmten Worte gesprochen: "Ich bin ein Berliner!" 

Dem Wiederaufbau der Autobahnbrücke gingen viele Schulungen voran. Immer wieder wurde die Frage diskutiert, was macht der BGS-Beamte bei einem Fluchtversuch von der anderen Seite. Das war insofern nicht ganz einfach zu beantworten, weil der Fluchtversuch von bayrischem Gebiet erfolgt wäre, denn der Bretterzaun, der die Arbeiter aus der DDR "schützen" sollte, stand in der Tat im Westen. Alle Belehrungen liefen darauf hinaus, die Schusswaffe auf keinen Fall einzusetzen... Glücklicherweise ist es nie zu einem "Fall" gekommen. Hin und wieder traute sich jedoch jemand hinter dem Bretterzaun mit uns zu reden. Die Gespräche waren natürlich dem Unterführer vorbehalten. Mit der Zeit gab es diese Kommunikationspunkte mit kleinen Öffnungen im Bretterzaun. Wenn ich heute über die Brücke fahre, dann schaue ich immer zum Kamm der Uferböschung hoch, dort wo ich einst gestanden bin, als die Brücke noch eine Ruine war. Das Foto habe ich auf der BGS-Seite in "Fotoalbum" integriert.   

Ein Grenzschutzkamerad aus Hof erzählte mir einmal, dass unmittelbar nach dem Krieg ein Motorradfahrer ums Leben gekommen sei, weil er nicht wusste, dass die Brücke gesprengt worden war und so mit voller Geschwindigkeit in den Abgrund stürzte... 

Ich könnte mir vorstellen, dass Du ebenfalls vom Bau der Autobahnbrücke mitbekommen hast. 

Deine Bilder habe ich angesehen. Wir können nur froh sein, dass die politische Situation nie ganz auf die Spitze getrieben wurde. Es wäre ein Unding gewesen, dass wir uns, die wir uns heute schreiben, feindlich gegenüber gestanden wären. Selbstverständlich werde ich respektieren, dass die Bilder nicht veröffentlicht werden sollen. Deine erste Mitteilung habe ich jedoch "vielleicht" voreilig auf die Mödlareuthseite gesetzt, weil Du an "die" lieben Grenzschützer aus dem Westen geschrieben hattest. Ist das in Ordnung? Was hältst Du davon, wenn wir unseren Schriftwechsel veröffentlichen, um zu informieren, wie es damals aus der Sicht der "unteren" Dienstgrade war. 

Für heute wünsche ich Dir alles Gute und wenn mich der Weg wieder einmal in die sog. "neuen" Bundesländer führen sollte, werde ich mich vorher melden. Vielleicht können wir ein Bier miteinander trinken... 

Mit freundlichem Gruß
Peter

Aus einem Bericht zur Autobahnbrücke:
"Seit 1964 rekonstruierten Arbeiter aus der DDR unter schärfster Bewachung die Grenzbrücke bei Hirschberg. Jedes Detail auf der Baustelle barg politischen Sprengstoff. Der schlichte Bauzaun, der bis auf die bayrische Seite reichte, wandelte sich unter den Augen bundesdeutscher Politiker zur zweiten "Berliner Mauer" und schien die nationale Souveränität in Frage zu stellen. Besänftigt waren die Gemüter erst, als ein bewegliches Podest wieder freie Sicht auf das Land hinter dem Lattenzaun bot. Sogar die "Wochenschau" berichtete über die "Arbeiter aus der Zone". Am Tag der Verkehrsfreigabe vor vierzig Jahren reiste Berlins regierender Bürgermeister Heinrich Albertz "rein privat" mit seinem Mercedes über die Grenzbrücke. Nach dem Scheitern des dritten Passierscheinabkommens mit der DDR wollte der Sozialdemokrat wenigstens die wieder aufgebaute Grenzbrücke für die "Politik der kleinen Schritte" nutzen. Tatsächlich wurde das Bauwerk bald zum Symbol des Wandels in den deutschen Beziehungen stilisiert: Das Motiv der rekonstruierten Brücke wählte der Kindler Verlag 1967 als Frontispiz für seinen Bildband "Blick nach drüben: Die DDR heute", das zur "Reise in ein unbekanntes Land" einlud."


08.05.2007

Hallo Peter,

vielen Dank für Deine sehr interessanten Erinnerungen zum Kennedy-Mord und Informationen zum Wiederaufbaubau der Autobahnbrücke bei Rudolphstein.

Vom Tod Kennedys hatte ich während meiner Grundausbildung im November 1963 erfahren ohne größere Wertung des Ereignisses durch die Vorgesetzten. Er galt auch bei uns Soldaten als beliebter und sympathischer Präsident, der durch seine erfolgreiche und konsequente Außenpolitik ( Kuba-Krise) einen Krieg verhindert hat. Ich hätte mir jedoch im August 1961 mehr Initiative der USA zur Verhinderung des Mauerbaus und nicht nur der Wahrung der Interessen gegenüber Westberlin gewünscht.

Komplizierter war es schon mit dem plötzlichen Rücktritt Chruschtschows 1964. Chruschtschows hatte 1956 auf dem XX. Parteitag der KPdSU mit dem Stalinismus abgerechnet, war zwar verantwortlich für die Niederschlagung des 17. Juni 1953 und des Ungarnaufstandes, aber doch in seiner bäurischen und peinlichen Art vor der UNO berechenbarer als Stalin oder sonst ein Diktator. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon in Mödlareuth und habe unseren Politstellvertreter in meinem jugendlichen Leichtsinn gefragt, warum der Genosse Chruschtschows abgesetzt sei. Das Wort „abgesetzt“ war natürlich falsch und beruhte auf der Information des „Klassengegners“ ( RIAS- Berlin war mit einfachen Kopfhörern zu empfangen). Ich bekam keine offizielle Antwort, sondern nur den Hinweis, dass Gesundheits- und Altersgründe eine große Rolle spielten. 

Nun zu den Sowjetsoldaten. Im Westen herrscht oft die Meinung, dass sie am öffentlichen Leben in der DDR teilgenommen haben. Die Sowjetarmee war völlig abgeschottet. Der einfache Soldat hatte keinen Kontakt zur Außenwelt; er lebte ausschließlich in seiner Kaserne und wurde für geringe Vergehen bestraft. Offiziere durften sich zwar frei bewegen, hatten aber auch kaum Kontakt zur deutschen Bevölkerung. Offiziell nannten sich die Warschauer Vertragsstaaten Bruderländer. Daher auch der beliebte DDR-Witz: Freunde kann man sich aussuchen, Brüder nicht. Dennoch ist es vorgekommen, dass durch Sowjetsoldaten Fluchtversuche unternommen wurden, in solchen Situationen wurden oft über mehrere Tage erhöhte Alarmbereitschaft und Grenzalarm ausgelöst. Festnahmen in unserem Grenzgebiet sind mir nicht bekannt, in nehme an, dass die Flüchtlinge durch die verschärften Sicherheitsmaßnahmen im Vorfeld gefasst wurden. Wir haben darüber nie Informationen bekommen. Insgesamt verlief es in unserem Grenzgebiet im Wesentlichen ruhig, so wie Du es selbst eingeschätzt hast. Wir hatten durch unsere Kompanie zwei Festnahmen. Das war einmal ein NVA-Soldat, der aber unbewaffnet war und eine sechsköpfige Familie aus Bayern, die beabsichtigte, in die DDR zu übersiedeln, aber durch Überprüfung durch Mitarbeiter des MfS wieder zurückgeschickt wurde. Während meiner Dienstzeit 1964/65 wurde nie von der Schusswaffe Gebrauch gemacht. Mir ist auch nicht bekannt, dass das Minenfeld betreten und Menschen verletzt oder getötet wurden. Die gesamte Grenze war durch doppelten- bzw. dreifachen Stacheldraht überschaubarer und in keiner Weise so perfekt, wie in den 80-er Jahren. Das moderne Grenzsystem habe ich erst 1989 kennen gelernt. Auch mir war es in meiner Dienstzeit verboten, das 5-km-Sperrgebiet zu betreten und schon gar nicht den Bereich der Grenzanlagen.

Deshalb habe ich auch keinen Bezug zu den gegenwärtigen Anlagen in Mödlareuth und zum Grenzmuseum, da nur wenig auf die Situation in den 50er und 60er Jahren eingegangen wird. Die Autobahnbrücke in Rudolphstein sah ich erst 1989. Wir hatten zwar von dem Bau erfahren, aber nie die Möglichkeit einer Besichtigung. Leid getan hat mir der Abriss der kleinen Brücke Töpen-Juchhöh, denn hier lief der gesamte Grenzverkehr zwischen Bayern und Westberlin ab. Tausende PKW und LKW passierten täglich, für mich heute fast unvorstellbar, diese kleine Brücke. Vielleicht hätte man sie in irgendeiner Weise erhalten können, schließlich war sie doch ein echtes Relikt der Vergangenheit. Wenn ich heute in Richtung Hof fahre, verlasse ich meist die Autobahn Richtung Gefell, fahre über die neu erbaute Brücke nach Töpen oder aber zum Leidwesen meiner Frau durch Mödlareuth. Da werden alte Erinnerungen wach. 

Lieber Peter, gegen eine Veröffentlichung unseres Schriftwechsels und die dabei gewonnenen Erfahrungen habe ich grundsätzlich nichts einzuwenden. Sicher wäre es interessant und aufschlussreich, auch einmal persönliche Informationen auszutauschen. Deinen Vorschlag, ggf. bei einem Besuch in Weimar und Umgebung uns kennen zu lernen, finde ich prima. Ich hoffe, Du hast nichts dagegen, dass ich auch einmal bei Dir vorbeischaue, wenn ich einmal in der Nähe sein sollte. 

Bis dahin verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
Bernd


Hallo Bernd, 

ich war in meinem Lieblingsland Italien und deshalb schreibe ich erst heute zurück. Im Ausland gehe ich nicht mehr Online, um meine Post abzurufen, denn die Abzocke der Telefongesellschaften ist einfach unbezahlbar. Vielleicht wird das einmal besser, wenn die Preistreiber feststellen, dass so bald kein Kunde im Ausland den UMTS-Stick mehr nutzen wird. 

Natürlich würde ich mich freuen, wenn wir uns auch einmal im "Schwabenländle" treffen könnten, wenn Du hier unterwegs bist. Momentan sind hier alle aus dem Häuschen, weil der KSC aufsteigen wird und der VfB möglicherweise die Meisterschaft macht. 

Ich glaube, wir haben beide das Glück gehabt, dass wir niemals in einen Grenzzwischenfall verwickelt wurden. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten hätte. Damals war ich gerade einmal 21 Jahre alt. Meine Vorgesetzen waren vielleicht 2 bis 3 Jahre älter. 

Interessant, dass Deine Frau ebenfalls in "Mitleidenschaft" gezogen wird, wenn es in den Raum Hof geht. Ich habe meine Frau ebenfalls mit nach Mödlareuth genommen und ihr ausführlich alle Begebenheiten erzählt. Klar, dass für uns dieser Platz eine ganz andere Bedeutung hat und auch ganz andere Gefühle in uns weckt. Wir haben den Film im kleinen Saal des Museums angesehen. Was meine Frau am meisten berührt hat, war die Szene als die alten Männer des Dorfes eine Begegnung mit den jungen NVA-Angehörigen haben, sich ansehen, jedoch kein Wort wechseln. Was für eine Politik, die solche Situationen hervorruft. 

In Italien habe ich auch meine Freunde - eine neapolitanische Familie - besucht. Auf Vorschlag meines Freundes Salvatore sind wir dann nach Cassino gefahren. Da wird es einem ganz anders, wenn man sieht, dass über 20.000 deutsche Soldaten auf einem Friedhof liegen, die alle zwischen 18 und 30 Jahre alt geworden sind, nur weil sie 20 Jahre vor uns geboren wurden. Die Bilder findest Du hier: http://145.253.206.229/napoli2005/ -> klicke im Inhaltverzeichnis "Cassino Soldatenfriedhof" an. 

Interessant finde ich, dass die DDR-Bevölkerung mit den Russen keinen Kontakt hatte. Wir haben das immer anders gesehen. Es wurde viel über die Freundschaft der Völker untereinander im Osten berichtet. Wahrscheinlich war es nur gut gemachte Propaganda. Mit den Amerikanern war das anders. Die waren ständig unterwegs, wir hatten Kontakt mit Ihnen. Während meiner Zeit beim BGS haben wir einige tolle Begegnungen im sog. Ami-Club gehabt, denn Whiskey-Coke war schon ein "dolles" Getränk. Später war ich dann in der Deutsch-Amerikanischen-Freundschaftsgruppe tätig. Noch heute habe ich Kontakt - so heißt übrigens die Organisation - zu ehemaligen Mitgliedern. Die Russen habe ich erst durch meine Tätigkeit bei der Robert Bosch GmbH kennen gelernt. Das sind alles ganz prima Kollegen. Es ist die Politik, die immer wieder die Keile zwischen die Menschen treibt. Die Menschen verstehen sich immer dann besonders gut, wenn sie sich persönlich kennen lernen. Meine Reiseberichte zu Russland findest Du hier -http://145.253.206.229/phhp_portal/phhp_portal_pages/phhp_portal_reiseberichte.htm - wenn es Dich interessiert... Ich hoffe, dass ich in diesem Jahr nochmals rüberfahren kann, denn ich würde ganz gerne nach Irkutsk, der Partnerstadt von Pforzheim gehen. 

Den Sturz von Chruschtschow habe ich in der Bayreuther Kaserne mitbekommen. Ich hatte Wachdienst und wurde nach meiner Rückkehr von der Runde rund um das Munitionslager informiert. Erstaunlicherweise wurde das ganz gelassen hingenommen. Die beschäftigen sich zur Zeit mit sich selbst, da haben wir nichts zu erwarten, war der Hinweis. Dass Du Dich mit dem Wort "abgesetzt" fast in die Nesseln gesetzt hast, zeigt einmal mehr, wie wichtig die richtigen Worte sind. Als ich mit einem Bekannten 1972 einmal in Berlin war, um den VfB zu begleiten zu einem Auswärtsspiel, sind wir auch in den Osten der Stadt gefahren. Als wir wieder zurück an die Mauer kamen, fragte mein Bekannter, ob es möglich sei, auch aus Ostberlin über die Zonenautobahn zurück in die Bundesrepublik zu fahren. Das war zu viel gefragt. "Die Zone gibt es nicht mehr, Sie sind in der DDR!" Der Beamte der DDR hatte gesprochen. Wir mussten auf einen Parkplatz fahren und dort ca. zwei Stunden warten. Dann wurden wir nach intensiver Kontrolle wieder in den Westen geschickt. 

Für heute wünsche ich Dir alles Gute. Ich werde mich auf jeden Fall melden, wenn es in Deine Richtung geht. Zwar bin ich nächste Woche in Berlin aber leider fliege ich und da ist kein Zwischenstopp möglich. 

Mit freundlichem Gruß
Peter