Ich hatte nicht erwartet, dass diese Seite auch für die ehemaligen
Kameraden, die einst "gegenüberstanden", interessant sei. Umso
mehr habe ich mich gefreut, als mich die E-Mail von Bernd erreichte. Der folgende
Schriftwechsel gibt einen Einblick in die Gedanken, die Geschehnisse und die
Sicht aus verschiedenen Perspektiven.
01.05.2007
Hallo Bernd,
ich hoffe, ich darf Dich einfach so nennen... über Deine E-Mail habe
ich mich riesig gefreut. Denn, dass mir einer schreibt, der mich gesehen
hat und den ich wohlmöglich - wenn auch unwissentlich - gesehen habe. Es
ist nur sehr sehr schade, dass es so lange gedauert hat, bis die
Wiedervereinigung möglich war. Aufgrund meiner Tätigkeit bei der Robert Bosch
GmbH habe ich einige ehemalige - sorry wir haben das so genannt - Angehörige
der NVA kennen gelernt aber niemanden, der mir sozusagen gegenüber gestanden
ist. Also, Bernd, das ist schon toll, dass Du mir geschrieben hast.
Beim Lesen Deiner Zeilen ist mir eine Idee gekommen. Ich würde gerne, um den
Bericht zu vervollständigen, auf der Internetseite Deine Erlebnisse zum
Lübke-Besuch veröffentlichen. Vielleicht hast Du sogar Bilder aus Deiner
Zeit bei der NVA.
Es wäre auch prima zu erfahren, ob Ihr, Du und Deine alten
Kameraden, noch Treffen veranstaltet. Ein Treffen in Hof oder
Plauen zwischen den Ehemaligen von Ost und West wäre aus meiner Sicht eine
großartige Sache.
Ich freue mich auf Deine Antwort und nochmals vielen Dank für Deine
Zeilen...
Viele Grüße
Peter
02.05.2007
Hallo Peter,
vielen Dank für Deine netten Zeilen. Ich habe mich sehr darüber gefreut,
dass Du so schnell geantwortet hast, deshalb übersende ich Dir auch einige
Bilder.
Eigentlich war es ungewöhnlich, Sperranlagen von Ost nach West zu
fotografieren, aber meinem Posten konnte ich in diesem Fall vertrauen.
Offizielle Bilder wurden nur von s.g. Grenzaufklärern (Stasi-Leuten) gemacht.
Deshalb habe ich auch 25 Jahre solche Bilder nur einen kleinen Personenkreis
gezeigt. Darüber könnt Ihr bestimmt nur lächeln. Ein Bild wurde vom Hochstand
gemacht, er war aus Holz und wurde später durch einen Betonturm ersetzt. Von
dort konnten wir das Leben im westlichen Teil beobachten.
In Mödlareuth selbst liefen wir direkt am Stacheldrahtzaun entlang. Oft
standen dort Schulklassen, die ganz irritiert waren, wenn wir sie freundlich
ansahen und ihnen zunickten. Damit hatte der Lehrer natürlich in seiner
Vorbereitungsphase auf diesen Besuch nicht gerechnet.
Nun zum Lübke-Besuch. Was sich in den Regimentsstäben abspielte, vermag ich
nicht zu sagen. Die haben bestimmt verrückt gespielt. Schließlich galt Lübke
als Klassenfeind Nr.1, er war in den DDR-Massenmedien als KZ-Baumeister
bezeichnet worden. Mir persönlich war er nicht sympathisch, aber ich hatte
meine Informationen mehr aus dem Westfernsehen, das ich zu Hause regelmäßig
sah. Die Masse der einfachen Soldaten hatte das alles wenig interessiert. Die
betrachteten den Rummel um den Besuch als übertrieben. Wir waren alle in
Alarmbereitschaft, lagen mit Kampfanzug und Kalaschnikow auf den Betten, am
nächsten Tag stundenlang getarnt in festgelegten Geländeabschnitten. Aber so
etwas kam des Öfteren vor, wenn russische Soldaten bewaffnet nach ihrer Flucht
sich auf die Grenze zu bewegten. Da wurde einen schon mulmig.
Lieber Peter, nun zu Deiner Frage Kameradschaftstreffen. Eine echte
Kameradschaft im herkömmlichen Sinne gab es bei uns nicht. Zu stark war die
Differenzierung zwischen Wehrpflichtigen, Längerdienenden,
Berufsunteroffizieren, Offizieren und s.g. Politstellvertretern, die für die
politische Schulung verantwortlich waren, zu unterschiedlich die Motivation, in
dieser Armee zu dienen. Misstrauen war immer angebracht, aber das war
systembedingt. Leider haben das bei uns viele schon wieder vergessen.
Abschließend möchte ich Dich bitten, die vom mir als Anhang beigefügten
Fotos nur zu Deiner persönlichen Information zu verwenden und nicht im Internet
zu veröffentlichen. Ich hoffe auf Dein Verständnis. Wenn Du noch weitere
Fragen hast, bin ich gern bereit, Dir diese – sofern es mir möglich ist -
zu beantworten.
Ich wünsche Dir alles Gute und verbleibe mit freundlichen Grüßen
Bernd
07.05.2007
Hallo Bernd,
vielen Dank für Deine informative Antwort, die sicherlich auch viele andere
interessant finden. U.a. schreibst Du, dass "...russische Soldaten nach
ihrer Flucht sich auf die Grenze zu bewegten." Kam es vor, dass Russen
geflohen sind. Ich kann mich nur an einen Fall erinnern, der mir erzählt
wurde. Was ich jedoch mitbekommen habe, waren einige NVA-Angehörige, die
in den Westen kamen. Jedenfalls wurden alle von "drüben", wie Du Dir
vorstellen kannst, sehr sorgfältig befragt. Das kam jedoch alles sehr
selten vor. Insgesamt war aus meiner Sicht das Leben an der Grenze eher ruhig
und ohne Ereignisse.
Die drei herausragenden Erinnerungen aus meiner Dienstzeit und die damit
verbundenen Einsätze waren im November 1963 der Mord an den damaligen
amerikanischen Präsidenten Kennedy, der Beginn des Wiederaufbaus der
Autobahnbrücke (Brücke der deutschen Einheit) bei Rudolphstein und der
Besuch von Lübke in Mödlareuth.
Der Kennedy-Mord brachte die gesamte Hundertschaft in Alarmstufe 1, denn die
westliche Welt schien ohne Führung. Wie würde der Osten reagieren? Jedenfalls
waren wir ganz schön im Stress. Kennedy war in der deutschen Bevölkerung ein
beliebter Präsident, wenn nicht der beliebteste aller Zeiten. So ging uns der
Mord ganz schön an die Nieren. Schließlich war er erst in Westdeutschland
gewesen und hatte in Berlin seine berühmten Worte gesprochen:
"Ich bin ein Berliner!"
Dem Wiederaufbau der Autobahnbrücke gingen viele Schulungen voran. Immer
wieder wurde die Frage diskutiert, was macht der BGS-Beamte bei einem
Fluchtversuch von der anderen Seite. Das war insofern nicht ganz einfach zu
beantworten, weil der Fluchtversuch von bayrischem Gebiet erfolgt wäre, denn
der Bretterzaun, der die Arbeiter aus der DDR "schützen" sollte,
stand in der Tat im Westen. Alle Belehrungen liefen darauf hinaus, die
Schusswaffe auf keinen Fall einzusetzen... Glücklicherweise ist es nie zu einem
"Fall" gekommen. Hin und wieder traute sich jedoch jemand hinter dem
Bretterzaun mit uns zu reden. Die Gespräche waren natürlich dem Unterführer
vorbehalten. Mit der Zeit gab es diese Kommunikationspunkte mit kleinen
Öffnungen im Bretterzaun. Wenn ich heute über die Brücke fahre, dann schaue
ich immer zum Kamm der Uferböschung hoch, dort wo ich einst gestanden bin, als
die Brücke noch eine Ruine war. Das Foto habe ich auf der BGS-Seite in
"Fotoalbum" integriert.
Ein Grenzschutzkamerad aus Hof erzählte mir einmal, dass unmittelbar nach
dem Krieg ein Motorradfahrer ums Leben gekommen sei, weil er nicht wusste,
dass die Brücke gesprengt worden war und so mit voller Geschwindigkeit in den
Abgrund stürzte...
Ich könnte mir vorstellen, dass Du ebenfalls vom Bau der Autobahnbrücke
mitbekommen hast.
Deine Bilder habe ich angesehen. Wir können nur froh sein, dass die
politische Situation nie ganz auf die Spitze getrieben wurde. Es wäre ein
Unding gewesen, dass wir uns, die wir uns heute schreiben, feindlich gegenüber
gestanden wären. Selbstverständlich werde ich respektieren, dass die Bilder
nicht veröffentlicht werden sollen. Deine erste Mitteilung habe ich jedoch
"vielleicht" voreilig auf die Mödlareuthseite gesetzt, weil Du an
"die" lieben Grenzschützer aus dem Westen geschrieben hattest. Ist
das in Ordnung? Was hältst Du davon, wenn wir unseren Schriftwechsel
veröffentlichen, um zu informieren, wie es damals aus der Sicht der
"unteren" Dienstgrade war.
Für heute wünsche ich Dir alles Gute und wenn mich der Weg wieder einmal in
die sog. "neuen" Bundesländer führen sollte, werde ich mich vorher
melden. Vielleicht können wir ein Bier miteinander trinken...
Mit freundlichem Gruß
Peter
Aus einem Bericht zur Autobahnbrücke:
"Seit 1964 rekonstruierten Arbeiter aus der DDR unter schärfster Bewachung
die Grenzbrücke bei Hirschberg. Jedes Detail auf der Baustelle barg politischen
Sprengstoff. Der schlichte Bauzaun, der bis auf die bayrische Seite reichte,
wandelte sich unter den Augen bundesdeutscher Politiker zur zweiten
"Berliner Mauer" und schien die nationale Souveränität in Frage zu
stellen. Besänftigt waren die Gemüter erst, als ein bewegliches Podest wieder
freie Sicht auf das Land hinter dem Lattenzaun bot. Sogar die
"Wochenschau" berichtete über die "Arbeiter aus der Zone".
Am Tag der Verkehrsfreigabe vor vierzig Jahren reiste Berlins regierender
Bürgermeister Heinrich Albertz "rein privat" mit seinem Mercedes
über die Grenzbrücke. Nach dem Scheitern des dritten Passierscheinabkommens
mit der DDR wollte der Sozialdemokrat wenigstens die wieder aufgebaute
Grenzbrücke für die "Politik der kleinen Schritte" nutzen.
Tatsächlich wurde das Bauwerk bald zum Symbol des Wandels in den deutschen
Beziehungen stilisiert: Das Motiv der rekonstruierten Brücke wählte der
Kindler Verlag 1967 als Frontispiz für seinen Bildband "Blick nach
drüben: Die DDR heute", das zur "Reise in ein unbekanntes Land"
einlud."
08.05.2007
Hallo Peter,
vielen Dank für Deine sehr interessanten Erinnerungen zum Kennedy-Mord und
Informationen zum Wiederaufbaubau der Autobahnbrücke bei Rudolphstein.
Vom Tod Kennedys hatte ich während meiner Grundausbildung im November 1963
erfahren ohne größere Wertung des Ereignisses durch die Vorgesetzten. Er galt
auch bei uns Soldaten als beliebter und sympathischer Präsident, der durch
seine erfolgreiche und konsequente Außenpolitik ( Kuba-Krise) einen Krieg
verhindert hat. Ich hätte mir jedoch im August 1961 mehr Initiative der USA zur
Verhinderung des Mauerbaus und nicht nur der Wahrung der Interessen gegenüber
Westberlin gewünscht.
Komplizierter war es schon mit dem plötzlichen Rücktritt Chruschtschows
1964. Chruschtschows hatte 1956 auf dem XX. Parteitag der KPdSU mit dem
Stalinismus abgerechnet, war zwar verantwortlich für die Niederschlagung des
17. Juni 1953 und des Ungarnaufstandes, aber doch in seiner bäurischen und
peinlichen Art vor der UNO berechenbarer als Stalin oder sonst ein Diktator. Zu
diesem Zeitpunkt war ich schon in Mödlareuth und habe unseren
Politstellvertreter in meinem jugendlichen Leichtsinn gefragt, warum der Genosse
Chruschtschows abgesetzt sei. Das Wort „abgesetzt“ war natürlich falsch und
beruhte auf der Information des „Klassengegners“ ( RIAS- Berlin war mit
einfachen Kopfhörern zu empfangen). Ich bekam keine offizielle Antwort, sondern
nur den Hinweis, dass Gesundheits- und Altersgründe eine große Rolle
spielten.

Nun zu den Sowjetsoldaten. Im Westen herrscht oft die Meinung, dass sie am
öffentlichen Leben in der DDR teilgenommen haben. Die Sowjetarmee war völlig
abgeschottet. Der einfache Soldat hatte keinen Kontakt zur Außenwelt; er lebte
ausschließlich in seiner Kaserne und wurde für geringe Vergehen bestraft.
Offiziere durften sich zwar frei bewegen, hatten aber auch kaum Kontakt zur
deutschen Bevölkerung. Offiziell nannten sich die Warschauer Vertragsstaaten
Bruderländer. Daher auch der beliebte DDR-Witz: Freunde kann man sich
aussuchen, Brüder nicht. Dennoch ist es vorgekommen, dass durch Sowjetsoldaten
Fluchtversuche unternommen wurden, in solchen Situationen wurden oft über
mehrere Tage erhöhte Alarmbereitschaft und Grenzalarm ausgelöst. Festnahmen in
unserem Grenzgebiet sind mir nicht bekannt, in nehme an, dass die Flüchtlinge
durch die verschärften Sicherheitsmaßnahmen im Vorfeld gefasst wurden. Wir
haben darüber nie Informationen bekommen. Insgesamt verlief es in unserem
Grenzgebiet im Wesentlichen ruhig, so wie Du es selbst eingeschätzt hast. Wir
hatten durch unsere Kompanie zwei Festnahmen. Das war einmal ein NVA-Soldat, der
aber unbewaffnet war und eine sechsköpfige Familie aus Bayern, die
beabsichtigte, in die DDR zu übersiedeln, aber durch Überprüfung durch
Mitarbeiter des MfS wieder zurückgeschickt wurde. Während meiner Dienstzeit
1964/65 wurde nie von der Schusswaffe Gebrauch gemacht. Mir ist auch nicht
bekannt, dass das Minenfeld betreten und Menschen verletzt oder getötet wurden.
Die gesamte Grenze war durch doppelten- bzw. dreifachen Stacheldraht
überschaubarer und in keiner Weise so perfekt, wie in den 80-er Jahren. Das
moderne Grenzsystem habe ich erst 1989 kennen gelernt. Auch mir war es in meiner
Dienstzeit verboten, das 5-km-Sperrgebiet zu betreten und schon gar nicht den
Bereich der Grenzanlagen.

Deshalb habe ich auch keinen Bezug zu den gegenwärtigen Anlagen in
Mödlareuth und zum Grenzmuseum, da nur wenig auf die Situation in den 50er und
60er Jahren eingegangen wird. Die Autobahnbrücke in Rudolphstein sah ich erst
1989. Wir hatten zwar von dem Bau erfahren, aber nie die Möglichkeit einer
Besichtigung. Leid getan hat mir der Abriss der kleinen Brücke Töpen-Juchhöh,
denn hier lief der gesamte Grenzverkehr zwischen Bayern und Westberlin ab.
Tausende PKW und LKW passierten täglich, für mich heute fast unvorstellbar,
diese kleine Brücke. Vielleicht hätte man sie in irgendeiner Weise erhalten
können, schließlich war sie doch ein echtes Relikt der Vergangenheit. Wenn ich
heute in Richtung Hof fahre, verlasse ich meist die Autobahn Richtung Gefell,
fahre über die neu erbaute Brücke nach Töpen oder aber zum Leidwesen meiner
Frau durch Mödlareuth. Da werden alte Erinnerungen wach.

Lieber Peter, gegen eine Veröffentlichung unseres Schriftwechsels und die
dabei gewonnenen Erfahrungen habe ich grundsätzlich nichts einzuwenden. Sicher
wäre es interessant und aufschlussreich, auch einmal persönliche Informationen
auszutauschen. Deinen Vorschlag, ggf. bei einem Besuch in Weimar und Umgebung
uns kennen zu lernen, finde ich prima. Ich hoffe, Du hast nichts dagegen, dass
ich auch einmal bei Dir vorbeischaue, wenn ich einmal in der Nähe sein
sollte.
Bis dahin verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
Bernd
Hallo Bernd,
ich war in meinem Lieblingsland Italien und deshalb schreibe ich erst heute
zurück. Im Ausland gehe ich nicht mehr Online, um meine Post abzurufen, denn
die Abzocke der Telefongesellschaften ist einfach unbezahlbar. Vielleicht wird
das einmal besser, wenn die Preistreiber feststellen, dass so bald kein Kunde im
Ausland den UMTS-Stick mehr nutzen wird.
Natürlich würde ich mich freuen, wenn wir uns auch einmal im "Schwabenländle"
treffen könnten, wenn Du hier unterwegs bist. Momentan sind hier alle aus dem
Häuschen, weil der KSC aufsteigen wird und der VfB möglicherweise die
Meisterschaft macht.
Ich glaube, wir haben beide das Glück gehabt, dass wir niemals in einen
Grenzzwischenfall verwickelt wurden. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten
hätte. Damals war ich gerade einmal 21 Jahre alt. Meine Vorgesetzen waren
vielleicht 2 bis 3 Jahre älter.
Interessant, dass Deine Frau ebenfalls in "Mitleidenschaft" gezogen
wird, wenn es in den Raum Hof geht. Ich habe meine Frau ebenfalls mit nach
Mödlareuth genommen und ihr ausführlich alle Begebenheiten erzählt. Klar,
dass für uns dieser Platz eine ganz andere Bedeutung hat und auch ganz andere
Gefühle in uns weckt. Wir haben den Film im kleinen Saal des Museums angesehen.
Was meine Frau am meisten berührt hat, war die Szene als die alten Männer des
Dorfes eine Begegnung mit den jungen NVA-Angehörigen haben, sich ansehen,
jedoch kein Wort wechseln. Was für eine Politik, die solche Situationen
hervorruft.
In Italien habe ich auch meine Freunde - eine neapolitanische Familie -
besucht. Auf Vorschlag meines Freundes Salvatore sind wir dann nach Cassino
gefahren. Da wird es einem ganz anders, wenn man sieht, dass über 20.000
deutsche Soldaten auf einem Friedhof liegen, die alle zwischen 18 und 30 Jahre
alt geworden sind, nur weil sie 20 Jahre vor uns geboren wurden. Die Bilder
findest Du hier: http://145.253.206.229/napoli2005/ -> klicke im
Inhaltverzeichnis "Cassino Soldatenfriedhof" an.
Interessant finde ich, dass die DDR-Bevölkerung mit den Russen keinen
Kontakt hatte. Wir haben das immer anders gesehen. Es wurde viel über die
Freundschaft der Völker untereinander im Osten berichtet. Wahrscheinlich war es
nur gut gemachte Propaganda. Mit den Amerikanern war das anders. Die waren
ständig unterwegs, wir hatten Kontakt mit Ihnen. Während meiner Zeit beim BGS
haben wir einige tolle Begegnungen im sog. Ami-Club gehabt, denn Whiskey-Coke
war schon ein "dolles" Getränk. Später war ich dann in der
Deutsch-Amerikanischen-Freundschaftsgruppe tätig. Noch heute habe ich Kontakt -
so heißt übrigens die Organisation - zu ehemaligen Mitgliedern. Die Russen
habe ich erst durch meine Tätigkeit bei der Robert Bosch GmbH kennen gelernt.
Das sind alles ganz prima Kollegen. Es ist die Politik, die immer wieder die
Keile zwischen die Menschen treibt. Die Menschen verstehen sich immer dann
besonders gut, wenn sie sich persönlich kennen lernen. Meine Reiseberichte zu
Russland findest Du hier -http://145.253.206.229/phhp_portal/phhp_portal_pages/phhp_portal_reiseberichte.htm -
wenn es Dich interessiert... Ich hoffe, dass ich in diesem Jahr nochmals
rüberfahren kann, denn ich würde ganz gerne nach Irkutsk, der Partnerstadt von
Pforzheim gehen.
Den Sturz von Chruschtschow habe ich in der Bayreuther Kaserne mitbekommen.
Ich hatte Wachdienst und wurde nach meiner Rückkehr von der Runde rund um das
Munitionslager informiert. Erstaunlicherweise wurde das ganz gelassen
hingenommen. Die beschäftigen sich zur Zeit mit sich selbst, da haben wir
nichts zu erwarten, war der Hinweis. Dass Du Dich mit dem Wort
"abgesetzt" fast in die Nesseln gesetzt hast, zeigt einmal mehr, wie
wichtig die richtigen Worte sind. Als ich mit einem Bekannten 1972 einmal
in Berlin war, um den VfB zu begleiten zu einem Auswärtsspiel, sind wir
auch in den Osten der Stadt gefahren. Als wir wieder zurück an
die Mauer kamen, fragte mein Bekannter, ob es möglich sei, auch aus Ostberlin
über die Zonenautobahn zurück in die Bundesrepublik zu fahren. Das war zu viel
gefragt. "Die Zone gibt es nicht mehr, Sie sind in der DDR!" Der
Beamte der DDR hatte gesprochen. Wir mussten auf einen Parkplatz fahren und dort
ca. zwei Stunden warten. Dann wurden wir nach intensiver Kontrolle wieder in den
Westen geschickt.
Für heute wünsche ich Dir alles Gute. Ich werde mich auf jeden Fall melden,
wenn es in Deine Richtung geht. Zwar bin ich nächste Woche in Berlin aber
leider fliege ich und da ist kein Zwischenstopp möglich.
Mit freundlichem Gruß
Peter